Ich mag Hilfestellungen in Benutzeroberflächen. Im Normalfall zumindest. Viele kennen womöglich den Ausführen-Dialog von Windows:
oder die Adreßleiste:
Beide haben ein Textfeld mit einer aufklappenden Liste verbunden, was in den initiierten Geheimkreisen von Visual-Basic-Entwicklern auch einfach ComboBox heißt. Sinn und Zweck der Sache ist es, gleichzeitig Texteingabe und die Auswahl eines schon mal eingegebenen oder vordefinierten Wertes zu ermöglichen. Normalerweise erscheint die Liste dann schon beim Tippen, drängelt sich aber nicht aggressiv in den Vordergrund oder stiehlt den Tastaturfokus. Also eigentlich relativ unaufdringlich; wer möchte, nimmt die Hilfe an, wer nicht, kann einfach so weitertippen. Man kann dann meist mit den Pfeiltasten einen Eintrag aus der Liste wählen und man kann sie mit Esc jederzeit wieder schließen.
Gestern stieß ich auf ein Beispiel, wo diese Art Hilfestellung irgendwie danebengeht, zumindest aus Sicht der Benutzerfreundlichkeit. Eclipse bietet ein Feature namens Content Assist an vielen Stellen. Dies ist kontextabhängig und bietet meist nur die Optionen, die im jeweiligen Kontext möglich oder sinnvoll sind. Im Grunde eine nette Funktion. Zumindest bis ich versuchte, in meinem Quelltext ein simples Suchen und Ersetzen durchzuführen:
Kurze Erklärung: Ich habe im “Find”-Feld “r()” eingegeben und dann Tab gedrückt, um zum “Replace with”-Feld zu kommen. Abgesehen davon, daß meine Ersetzung ohnehin nicht funktioniert hätte (weil ich reguläre Ausdrücke angeschaltet hatte und Klammern in regulären Ausdrücken eine besondere Bedeutung haben), entschied der Dialog, daß mein Drücken von Tab ein guter Zeitpunkt wäre, die Hilfestellung anzuzeigen. Nicht nur, daß sie sowohl das Textfeld, in das ich schreiben wollte als auch den Dialog fast vollständig verdeckt, ich hatte auch keinen einfachen Weg gefunden, das Ding wieder loszuwerden.
Meine erste Reaktion war, Esc zu drücken. Keine gute Idee, das hat den Dialog einfach ganz geschlossen. In diese Falle bin ich wohl insgesamt dreimal hintereinander getappt, ehe ich endlich anfing, nachzudenken, was ich da eigentlich mache. Wie auch immer, Das Content-Assist-Ding hatte scheinbar nicht einmal den Fokus, aus welchem Grunde auch immer. Folglich ging jede Tastatureingabe an den Dialog dahinter (und damit macht Esc den Dialog auch einfach zu, gut, verständlich). Irgendwo anders im Dialog klicken funktionierte ebenfalls nicht, wahrscheinlich aus dem gleichen Grund. Ich hatte dann gestern erstmal aufgegeben und stattdessen einfach das Kästchen “Reguläre Ausdrücke” deaktiviert.
Es scheint (Anmerkung: Ich kann hier nur raten), als ob Eclipse die Hilfe für das vorherige Eingabefeld anzeigen will, wo es gemerkt hat “Hey, Klammern haben eine besondere Bedeutung in Reg Ex, also zeigen wir dem Nutzer mal ein wenig Hilfe damit und anderen häufigen Mustern an”. Shift-Tab, um zum “Find”-Feld zurückzukommen und dann Tab drücken setzt mir den Fokus interessanterweise auf die aufgetauchte Liste. Man kann auch nach der Eingabe ein wenig warten, Content Assist taucht dann auch auf, es braucht nur eine oder zwei Sekunden.
Das Problem ist aber, daß Suchen und Ersetzen mit regulären Ausdrücken wohl kaum eine Funktion ist, die von Anfängern benutzt wird (die die Hilfe wirklich nötig haben) sondern eher von Leuten, die das ohnehin schon kennen. Und die werden üblicherweise auch eher schnell alles eintippen ohne zu warten, sie wissen ja ohnehin schon, was sie schreiben wollen. Also sorgt die kurze Wartezeit für das Anzeigen wohl eher dafür, daß Content Assist in den meisten Fällen einfach zu spät auftaucht.
Anmerkung am Rande: Ich erwähnte weiter oben, daß ich selbst dreimal in die Falle getappt bin ehe ich nachgedacht habe. Diverse Leute, die sich mit Usability und Interaction Design befassen, stellen das fest: Das erste, was ein Benutzer versucht, wenn etwas Unerwartetes auftaucht, ist, es möglichst schnell loszuwerden. Es scheint so, als ob auch Menschen, die ihre Zeit vornehmlich mit Computern verbringen, nicht viel anders sind als die, über die wir meist nur müde lächeln.
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